Nach dem Grundriss der pfalzgräflichen Kapelle in Aachen erbautDie Abtei von Ottmarsheim unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von ihrer Vorlage Rudolf von Altenburg hat gewiss als Vorbild die Pfalzgräfliche Kapelle von Karl dem Grossen gewählt, aber in ihrem primitiven Riss, da dieser Plan in der Folge ernstlich verändert wurde, im Gegensatz zu dem der Abtei von Ottmarsheim, die ihren ursprünglichen Grundriss bewahrt, den der Besucher, im Unterschied zum Besucher der Pfalzgräflichen Kapelle, auf den ersten Blick erfasst. Tatsächlich verschwindet ihr zentrierter Plan unter den zahlreichen Zusätzen, drei Kapellen auf südlicher Seite (1) und zwei Kapellen auf der Nordseite (2), eine von ihnen, sehr gross, auf zwei Stockwerken (2a) erbaut und die den nordwestlichen Teil tief entstellt.
Der quadratische Chor, auf zwei Niveaus, wie in Ottmarsheim, ist durch einen riesengroßen gotischen genauso tiefen Chor (3) wie der Mittelteil der Kapelle, ersetzt worden.
Auf einem gegenwärtigen Bild der Kapelle stellt man fest, dass der Zusammenhang und die Harmonie des primitiven Monumentes durch den Zusatz von zwei überdimensionalen Bauten entstellt wurde: links der gotische Chor, rechts, an Stelle des romanischen, ursprünglichen Turm-Portalvorbaus, der Kirchturm, genauso gotisch, dessen Pfeil sich höher erhebt als das zentrale Achteck, das man in der Mitte der sehr zahlreichen Bauten, die ihn in der Folge einschließen, schlecht unterscheidet.
Die Abtei von Ottmarsheim ist also ihren Ursprüngen treuer geblieben, bescheidener, kleiner auch in ihren auf drei Viertel reduzierten Dimensionen.
Weitere Unterschiede in der Struktur selbst des Gebäudes: in Aachen ist jede Seite des äußeren Achtecks im Vergleich zum zentralen Achteck halbiert worden. Man gelangt zur Tribüne über zwei kreisförmig gewundene Treppen, in zwei Türmchen eingelassen, die den Glockenturm einrahmen, während die beiden geraden Treppen in Ottmarsheim in der Dicke selbst der Seitenwände des Kirchturm-Portalvorbaus untergebracht sind.
Schliesslich unterscheidet sich die Abtei von Ottmarsheim völlig von der Pfalzgräflichen Kapelle durch ihr Dekor. Einfach, schlicht, nüchtern in Ottmarsheim, prächtig, sogar üppig in Aachen; eine, nach Art der primitiven romanischen Kunst, die andere, Erbe der Antike, und besonders der byzantinischen Kunst. Wände, Gewölbe und Kuppel der Pfalzgräflichen Kapelle sind völlig mit reichen Mosaiken oder Marmor bedeckt.
Die Säulen sind aus Porphyr.
 |
 |
| Ottmarsheim |
Aix-la-Chapelle |
Die bescheidenere Abtei von Ottmarsheim begnügt sich mit Fresken, die sich mit dem Reichtum seines Modells nicht messen können: einfacher Kalkstein oder rosa Sandstein, schlichte würfelförmige Kapitelle, anstatt reicher korinthischer Kapitelle, die den antiken Monumenten von Norditalien entnommen sind.
 |
 |
| Ottmarsheim |
Aix-la-Chapelle
|
Die Abtei von Ottmarsheim zieht ihren ganzen Reichtum aus der Schmucklosigkeit, der Nüchternheit ihres Dekors, die der Architektur gerecht wird, die so ihren Bruch mit der antiken Kunst kennzeichnet.