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Die Abtei entdecken
Das Innere des Bauwerks

Die Eingangstür überschritten, ist der Besucher sofort durch die besondere Atmosphäre des Gebäudes erfasst. An den Kirchengrundriss gewöhnt, lädt dieser zu einem langsamen Gang unter den Gewölben des Schiffes zur Majestät und dem Licht des Chores ein.
Die Reaktion des Besuchers in Ottmarsheim ist eine ganz andere. In einigen Schritten kommt er dem Zentrum der Abtei nahe und hält dort an, durch den zentrierten Plan überrascht, der ihm ungewöhnlich erscheint.

Dann langsam mit einem schweifenden Blick, überblickt er die Seiten des Achtecks, dann, immer noch unbeweglich, erhebt sich sein Blick zur Kuppel. Die harmonischen Proportionen des Gebäudes wirken beruhigend: 20 M breit für das äu�ere Achteck, 10 M für das mittlere und 20 M Höhe bis zur Spitze der Kuppel. Bescheidene Dimensionen, die den Eindruck von Intimität und von Frieden betonen. Nichts zerstreut den Geist; alle Strukturen erscheinen nahe. Man ist fast erstaunt, keinen in der Mitte der Kirche aufgestellten Altar zu sehen, von den versammelten Gläubigen umgeben.



Diese Aufteilung wurde sicherlich niemals vorher angewandt, der Altar, ursprünglich im Chor gelegen, ist heute der Pfarrgemeinde ganz nahe, in die Mitte unter einen der acht Bögen gestellt. Das Zentrum ist auf den durch das äu�ere Achteck gebildeten Chorumgang hin geöffnet. Letzterer ist von acht Kreuzgratgewölben bedeckt, die unter sich mit ebenso vielen dreieckigen Gewölben verbunden sind.

Das Chorumgang und die oberen Tribüne Der Altar




Derselbe Chorumgang, oder Tribüne, befindet sich auch auf dem oberen Niveau. Die Tonnengewölbe, die ihn bedecken, sind kriechende Tonnengewölbe, sich dem Gefälle des Daches des äu�eren Achtecks anpassend. Sie dienen au�erdem dazu, den Seitendruck der Kuppel auszugleichen.

Der Kontrast ist frappierend zwischen den �ffnungen des Chorumgangs oder Seitenschiff und dem Bogenwerk der oberen Tribüne. Die gro�en Bögen mitten im unteren Zentrum, die auf acht schwere, stämmige Pfeiler niederfallen mit der Eleganz und der Leichtigkeit des oberen Bogenwerks, das in zwei Stockwerke (1a und 1b) von Säulen unterteilt ist, die aus einem einzigen Stück in rosa Sandstein der Vogesen geschnitten und von einfachen würfelförmigen Kapitellen (2) gekrönt sind.

Die beiden Säulen des unteren Teiles (3) sowie die beiden äu�eren Pfeiler (4) empfangen die fallenden drei kleinen Rundbögen (5), die eine Oberschwelle (6) tragen, die ebenfalls aus Sandstein ist. Auf letztere stützen sich zwei kleine Säulen (7), deren Kapitelle teilweise (8) im gro�en Rundbogen (9) der �ffnung zum zentralen Achteck eingelassen sind.
So wird die Architektur von unten aufwärts leichter, verfeinert sich, um die Kuppel hervorzubringen, die die vollkommene Form des Kreises annimmt, die einen Anfang und kein Ende besitzt, und die das Bild des Himmels, des Paradieses, des höchsten Zieles ahnen lässt, dem jeder Rechtgläubige zustrebt.




Die innere Verzierung nach Art des �u�eren ist sehr schlicht. Nur wenige Fresken des 15. Jahrhunderts existieren heute noch, während sie ursprünglich wahrscheinlich den grö�ten Teil, vielleicht sogar die Oberfläche aller Wände und Gewölbe überzogen haben.

Ein ununterbrochenes Sohlgesims in rosa Sandstein (1) unterstreicht die Entwicklung des zentralen Achtecks über den Rundbögen des oberen Niveaus, das dasjenige der Tribüne ist. Das gleiche Sohlgesims, aber unterbrochen, befindet sich auf dem Niveau der Säulendeckplatten oder Leisten, oben auf den würfelförmigen Kapitellen (2) der Säulen des unteren Teils der grossen Arkaturen der Tribüne, sowie auf der Oberschwelle (3), die die kleinen Säulen des oberen Teiles trägt.

Rosafarbener Sandstein unterstreicht elegant den zentrierten Plan des Gebäudes und hebt sich von den schillernden Farben und den unregelmä�igen Formen des von seinem primitiven Putz befreiten Kalksteines ab. Weder Bildhauerei noch schlichte Dekoration; der Aufbau der Oberflächen und der Volumina genügt der Harmonie und der Schönheit des Gebäudes.

Auf dem Plan der Abtei finden Sie die unterschiedlichen Teile des Gebäudes wieder :

1. Kirchturm
2. Portalvorbau
3. Niedriger Chor
4. Oberer Chor
5. Chorumgang oder unteres Seitenschiff
6. Rundbogen, der sich auf das mittlere Achteck öffnet
7. Obere Tribüne
8. Das sich auf das zentrale Achteck öffnende Bogenwerk
9. Kuppel
10. Fenster mitten in der Kuppel



Die Abtei stellt alle grundlegenden Formen der romanischen Architektur vor. Der Ausdruck â??romanischâ?? wird zum erstenmal im 19. Jahrhundert benutzt, um das zu unterscheiden, was dem römischen Erbe angehört.
Das Grundelement dieser Architektur ist der Bogen im Halbkreis, genannt Rundbogen, den man in den Ã?ffnungen des zentralen Achtecks auf den unteren und oberen Niveaus wiederfindet.
Um einen Raum zu decken, hat man an erster Stelle das Tunnel-Gewölbe, Tonnengewölbe, (Gewölbe der Tribüne und des oberen Chores) benutzt, dann, um die schwere Last des Gewölbes besser zu verteilen, führte man das Kreuzgratgewölbe ein, dessen auf den vier Ecken des Gewölbes verteilter Druck erlaubt, die das Kreuzgratgewölbe stützenden Wände zu öffnen (Gewölbe des unteren Chorumgangs).
Und schliesslich die Vollendung der romanischen Kunst : die Kuppel, die die Umdrehung eines Rundbogens auf sich selbst darstellt, eine Kuppel, die vom Altertum, im besonderen von der byzantinischen Kunst übernommen wurde. Die romanische Architektur wird im Elsass, dem Traditionsland, noch lange - im Vergleich zu anderen französischen Provinzen - bevor die Gotik angenommen wird, erhalten.

Der Rundbogen Das Kreuzgratgewölbe Die Kuppel



Das Tonnengewölbe








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